17. 10. 2021

{job report} Gartengestaltung von Schulte & Schönes

Wie ihr bereits mitbekommen habt, gestalten wir Step by Step unseren Außenbereich. Das recht große und teilweise steile Grundstück hat einen Altbaumbestand, bestehend aus Äpfel- und Nussbäumen aber auch vieles an Unkraut, verwucherten Büschen und jeder Menge Nacktschnecken. Ich, die sich bis vor kurzer Zeit gar nicht mit einem Garten auseinandersetzen musste, weil ich in Wien nie mehr als einen Balkon zur Verfügung hatte, stieß sehr schnell an meine Grenzen. Wo anfangen bei einem so verwunschenen, wilden Grundstück? Welche Bereiche soll man verschönern und welche kann man getrost “übersehen”. Die Balance zwischen Gartenarbeit, die noch Freude macht und Gartenarbeit, die einen völlig überfordert zu finden ist die große Kunst. Man kann bei einem Grundstück jenseits der 2000 Quadratmeter nicht überall alles perfekt haben, hat mir letztens meine Schwiegermutter gesagt. Der Garten lehrt einem unperfekt zu werden und gewissen Bereiche bewusst auszublenden.

Doch den Bereichen, die ich nicht bewusst ausblende, wie zum Beispiel alles nah ums Haus und dort, wo unsere Sitzecke ist, möchte ich in Zukunft meinen Gartentraum wahr werden lassen. Dieses Jahr haben wir schon ein wenig Vorarbeit geleistet, zwei Beete angelegt und begonnen mit der Bepflanzung. Hier könnt ihr schon ein wenig erkennen. Schnell bemerkte ich, was gut wuchs und was bei uns anscheinend nicht gedeiht – oder kurzerhand von den Nacktschnecken vernichtet wird. Unser Boden ist sehr kompakt und lehmig, soviel weiß ich schon mal. Aber es gibt noch so unendlich viele Fragezeichen, dass ich mir einen Profi holte, der mich ein Stück weit bei der Realisierung meines mediterranen Gartentraum in Lila, Weiß und Grün begleiten wird.

Gartengestaltung von Schulte & Schönes

Gartengestaltung von Schulte & Schönes

Dominik Schulte von Schulte und Schönes hilft mir bei Planung und Umsetzung einzelner Bereiche und Gruppen rund ums Haus. Wo gedeiht was am besten? Welche Sorten vertragen sich miteinander? Diese und viele andere Fragen erarbeiten wir gemeinsam. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich unser Außenbereich in dem nächsten Jahr verwandeln wird und freu mich euch ein Stück weit auf diese Reise mit zu nehmen.

Heute möchte ich jedoch mit der Vorstellung von Dominik beginnen. Mit seinem Team plant er gemeinsam ganz große aber auch kleine Projekte. Mitten auf der Margaretenstraße, unweit von feinedinge* und der wohnsinnigen Wohnung von Patrick und Georg befindet sich das stylishe Büro, welchem ich letztens einen Besuch abstattete um erste Gestaltungsideen zu besprechen.

Wenn ihr euch auch schon mal gefragt habt, was ein Landschaftsgestalter so macht, wieviel so eine Gartengestaltung in etwa kostet und welche Blumen seine liebsten sind, dann dürft ihr euch über das Interview freuen. Viel Spaß beim Lesen des Beitrages: Gartengestaltung von Schulte & Schönes .

Gartengestaltung von Schulte & Schönes

“Der Umgang mit Schönem, mit Pflanzen, Farben, Formen und Proportionen hat mich schon immer fasziniert”

Lieber Dominik, erzähl mal – wer bist du überhaupt und was machst du beruflich?

Ja gerne! Wie du schon erwähnt hast, mein Name ist Dominik Schulte und ich bin von Beruf Landschaftsgestalter. Ich befasse mich mit dem vorhandenen Raum, dessen Proportionen und Besonderheiten. Jeder Raum hat Potenzial. Manchmal ganz offensichtlich, wie etwa ein toller Ausblick oder Altbaumbestand, öfters aber versteckt in kleinen Details – die gilt es dann herauszuarbeiten. In enger Abstimmung mit meinen Auftraggeber:innen erarbeite ich ein Raumkonzept, in dem sie sich wohlfühlen und sich selbst wiederfinden – Wohnträume sind etwas ganz Individuelles. Während der Stil der Bewohner:innen im Innenraum meist sehr gut sichtbar ist, gilt das oft nicht für den Außenraum – ich sehe genau das als meine Aufgabe.
Sobald das Konzept steht, geht es an die Ausführung. Und hier fügt sich dann alles zusammen: Materialien, Bepflanzung, Mobiliar, Beleuchtung und vieles mehr. Gut durchdachte Konzepte im Einklang zwischen Innenraum und Außenraum.

Wie kam es zu dieser Berufswahl? Was hat dich an der Ausbildung so fasziniert?

Dies ist eine total spannende Frage! Ich bin ein wenig über Umwege zu meinem Beruf gekommen, aber eigentlich hätte diese Bestimmung von meiner Kindheit an klar sein müssen. Als kleiner Junge besaß ich schon meinen eigenen Bereich in unserem Garten. Ich hatte viele Ideen zur Umgestaltung und meine Eltern haben es dann nach meinen Plänen vom Garten- und Landschaftsbauer umsetzen lassen. Wenn ich an unseren Garten denke, was ich da alles gemacht habe: 
Ich habe mir einen Teich gebaut und bepflanzt, in den Sommerferien mein eigenes zusammenklappbares, mobiles Sommerbett konstruiert und gebaut, habe mir einen Standbrunnen gestaltet, ihn mit Mosaiksteinchen verziert und mit einer funktionierenden Wasserfontäne ausgestattet.

Nach dem Abitur habe ich mich dem Medizinstudium gewidmet, fühlte mich aber nicht wohl dabei. Heute bin ich sehr froh darüber, da mich dieses Studium nach Wien verschlagen hat und ich mich sofort in diese Stadt verliebt habe. Ich kann mich erinnern, es war ein Dienstagmorgen, ich bin aufgewacht, war ein bisschen in einer Lebenskrise, wie das so ist in dem Alter, wenn man nicht weiß, wo es im Leben hingehen soll. Ich habe an die Decke hochgeschaut und habe zu mir selbst gesagt: So, heute fährst du hoch zur BOKU und immatrikulierst dich. Ein halbes Jahr, ein Semester lang habe ich meinen Eltern nichts erzählt. Erst, nachdem ich die ersten 15 Kurse belegt und sehr gut abgeschlossen hatte, rief ich meine Eltern an und teilte ihnen mit: Übrigens, ich werde Landschaftsgestalter!

Im Nachhinein empfinde ich es als wunderbare Fügung, über Umwege zu meiner Berufung gefunden zu haben. Diese planerische Freiheit und Selbständigkeit hat mich schon immer fasziniert, aber auch der Umgang mit Schönem, mit Pflanzen, Farben, Formen und Proportionen, das Ausleben meiner Kreativität, das Arbeiten im Raum und der freien Natur.

Gartengestaltung von Schulte & Schönes
Was magst du an deinem Beruf am meisten ? Und was am wenigsten?

Fangen wir gleich mit dem unangenehmen Teil an: Es ist eigentlich – von außen betrachtet – relativ banal; die Abhängigkeit vom Wetter. Wenn das verrückt spielt, dann bricht im Büro ein kleines Chaos aus und wir disponieren ganz schnell um. Das funktioniert in der Regel auch, aber ich könnte sehr gut darauf verzichten! ;)

Zudem macht die Arbeit mit „lebender Ware“, den Pflanzen einen großen Unterschied für die Fertigstellung eines Projekts – auch für die KundInnen. Während zum Beispiel Materialien ab dem ersten Tag altern, bzw. im besten Fall Patina zeigen, geht die Entwicklung der Pflanzen nach der Fertigstellung des Projekts erst richtig los! Hier geht es dann um die richtige Pflege, um lange Freude mit der Bepflanzung zu haben.

Was mir auf der anderen Seite irrsinnig gut gefällt: Der komplett abwechslungsreiche Arbeitsalltag! Und das empfinden meine Mitarbeiter:innen zum Glück genauso. Man wird mit so einem breiten Spektrum an Aufgaben an nur einem einzigen Arbeitstag konfrontiert. Gleich in der Früh geht es mit dem Service-Team ab auf die Baustelle. Danach kann ein Tag so viele und ganz verschiedene Termine beinhalten – interessante Erstkontakte mit Kund:innen (Telefonate, kurze Gespräche, Besuche vor Ort), Entwurfspräsentationen, Baustellentermine, Planungsbesprechungen im Team, Fahrten in die Baumschulen usw. Und bei alldem erweisen sich mein Auge und mein Einfühlungsvermögen als meine besten Werkzeuge. Und das finde ich großartig!  

Dominik Schulte © Wiener Wohnsinn

“Wir bekommen sowohl in der Stadt als auch am Land den Klimawandel stark zu spüren”

Du planst und setzt ja Gartenparadiese in der Natur aber auch mitten in der Stadt um. Was sind die großen Unterschiede im Planungsprozess ?

Grundsätzlich gibt es kaum Unterschiede im Planungsprozess selbst. Sehr spannend ist für mich die Arbeit auf den Dachterrassen in der Stadt. In der Pflanzenverwendung gibt es die größten Unterschiede. Hier geht es vor allem um Standortverträglichkeit/Extremstandorte. Man kann von einer Terrasse aber grundsätzlich nicht erwarten, dass man diese wie einen Garten handhaben kann. Sie ist kein Garten! Aber wir bekommen das hin. Zum Beispiel mit der Anlegung von Gründächern, mit Aufsätzen und Beetverbauungen. Dabei spielen die Statik und die Be- und Entwässerung eine große Rolle.

Was wir zurzeit in der Stadt und auf dem Land sehr zu spüren bekommen, ist der Klimawandel (In der Stadt extremer als auf dem Land)! Sie zeigen verschobene Vegetationsperioden, z.B. beginnen die Ahornbäume Ende Juli mit ihrer Herbstfärbung und die Hortensien stehen oft schon im April in voller Blüte, dafür sind sie auch schon viel früher im Herbstmodus. Wir können aber mittlerweile auch schon Pflanzen einsetzten, welche die früher nicht winterhart waren.

Dominik Schulte und sein Team
Natürlich kommt auch die Frage aller Fragen  – was kostet so eine Planung und wie gestaltet sich der Umsetzungsprozess? Kann man da pro Quadratmeter einen Richtpreis angeben ?

Pauschalisieren kann ich das nicht! Was ich sagen kann: Meine Planungen fangen bei 800 Euro an. Die Kosten richten sich nach Größe und Gestaltungsintensität und v. a. nach den Kundenwünschen. Was soll der Raum alles können? Ich biete das ganze Package an: Vom ersten Strich bis zur vollendeten Umsetzung. Nachdem die Kundenwünsche genau ermittelt sind, kommt es zur Angebotslegung und geht ganz klassisch weiter mit der Detail- und Ausführungsplanung und der Baustellenplanung, bis hin zur Ausführung und Übergabe. Einen Quadratmeterpreis kann ich so nicht nennen, da kommt es auf die Planungsintensität, die Kundenwünsche und auf verwendete Materialien an; von brüniertem Messing über maßgefertigte Lasercut-Rankgerüste, Shou Sugi Ban-Wandverkleidungen bis hin zu handgefertigten Tongefäßen.

“Wir sind immer-auch nach Fertigstellung der Projekte- für unsere KundInnen da”

Jeder hat gern einen schönen Garten, aber die Arbeit dahinter, die unterschätzt man oft maßgeblich. Hast du Tipps wie man einen schönen Garten haben kann und trotzdem noch genügend Freizeit – abseits von Jäten und Rasenmäher – hat?

Einen Garten oder Dachterrasse, der schön und komplett pflegefrei ist, den gibt es nicht!

Selbst ein naturnaher Garten freut sich ab und zu über gewisse Pflegemaßnahmen. Aber wir haben den zu erwartenden Pflegeaufwand bei unserer (Bepflanzungs-)Planung in der Hand und stimmen diesen selbstverständlich mit unseren Kund:innen ab. Eine automatische Bewässerung bringt oft schon eine massive Erleichterung, mineralische Mulchschichten halten Unkraut im Zaum und erleichtern das Auszupfen wenn doch etwas aufkeimt, und natürlich setzen wir auf langlebige, robuste Materialien, die auch ohne ständige Pflege lange Freude bereiten.

Was ich empfehlen kann, ist unser Pflegeservice. Wir kümmern uns gerne um unsere Kunden und deren Gärten und Terrassen. Bei uns kann man einen Frühjahrs- und Herbstservice buchen oder einen ganzjährigen Service (wöchentlich bis monatlich). Wir arbeiten mit der Natur, wir arbeiten mit Pflanzen, die Laub- und Blütenblätter abwerfen. Diese “Verschmutzungen” fallen gerade auf den Dachterrassen stärker ins Auge. Aber dafür gibt es ja uns!

Gartengestaltung Wiener Wohnsinn

“Ich kann definitiv nicht auf Hortensien verzichten!”

Wenn du deinen eigenen Garten planen würdest, was muss da unbedingt blühen und gedeihen?

Es ist, wie wenn man einen Inneneinrichter fragen würden, welches Lieblingsmöbelstück er sich ins Wohnzimmer stellen will. Ich möchte ganz ehrlich sein: Ich bin ein Mensch, der die Veränderung liebt. Mein Garten würde sich ganz sicher mit mir weiterentwickeln.

Als Planer habe ich mit so vielen Farben, Formen und Designs zu tun, die mich immer wieder neu inspirieren. Da passt es sehr gut, dass ich mit jedem neuen Projekt auch eine weitere Facette meiner Persönlichkeit ausleben kann. Wie gesagt, Traumjob gefunden. Ganz ehrlich, meine Mitarbeiter werden jetzt ein bisschen schmunzeln, weil sie es mehrmals in der Woche hören: Ich kann definitiv nicht auf Hortensien verzichten! Ich liebe sie in jeglicher Form und Farbe. Diese Liebe trage ich wohl in meinen Genen, denn sie bereicherten schon die großen Gärten meiner Großmütter und meiner Mutter. Sie sind und bleiben einfach sehr dankbare Pflanzen mit einer sehr lang anhaltenden Blütenpracht. Und in Gruppen gepflanzt – einfach wundervoll! 

Und was darf gar nicht in deinen Garten rein?

Gelb und orange als Blütenfarben mag ich nicht so sehr; auch die Liebe zu panaschierten Blättern hält sich bei mir in Grenzen. Das heißt aber nicht, dass mich meine MitarbeiterInnen nicht manchmal mit Bepflanzungskonzepten überraschen, wo genau diese und jene Pflanze spannende Akzente erzeugt. 

Welche Fehler machen Menschen gerne, wenn sie eine begrünte Terrasse oder einen Garten anlegen?

Viele Menschen sind überzeugt, dass z.B. alle Pflanzen in Gefäßen gut gedeihen. Was wir auch immer wieder bei unseren Kunden sehen, ist, dass sie sich nicht trauen, bei der Pflege von Gehölzen einen mutigen Schnitt auszuführen. Die Folge ist, die Gehölze verwachsen und entwickeln nicht den gewünschten Habitus. Ein Gehölz benötigt sowohl eine fachgerechte Erhaltungspflege als auch einen gekonnten Rückschnitt und vor allem den richtigen Standort.

Büro Schulte und Schönes

Lieber Dominik, danke für das spannende Interview. Wenn ihr auch nach einer Unterstützung für eure Terrasse oder euren Garten seid, Dominik und sein Team helfen gerne bei der Realisierung eurer grünsten Träume.

SCHULTE & SCHÖNES
Margaretenstraße 46/1/R01
1040 Wien
+43 1 5813884
buero@schulteundschoenes.com

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