16. 3. 2022

{home tour} Zu Besuch bei Alexandra Palla von roughcutblog

Die Wiener Tristesse schlägt spätestens Ende Februar so richtig auf mein Gemüt. Und dieses Jahr fühlte es sich doppelt so schlimm an. Meine Assistentin schickte mir an einem dieser grauen Tage den Link zu einem Instagram Account, der sofort gute Laune machte. Auf einem der ersten Bilder die ich im Account sah, stand eine fesche Dame in einem knallig pinken Mantel auf der Straße und strahlte übers ganze Gesicht. Meine Laune verbesserte sich in der Sekunde und ein Lächeln machte sich auf meinem Gesicht breit. Zwischen Fotos von leckeren Gerichten gab es immer wieder Aufnahmen von der coolen Socke in den knalligen Outfits. Die Rede ist von niemand geringerem als einer der bekanntesten Frauen der österreichischen Foodie-Szene. Sie kocht nicht nur lecker, sondern ist obendrein die Gründerin des Austria Food Blog Awards, entwirft Mode und richtig geniale Küchenaccessoires. Heute sind wir zu Besuch bei Alexandra Palla und ich freue mich richtig drauf, euch in ihr wunderschönes Haus mitnehmen zu dürfen.

Gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern wohnt Alexandra in einem Haus im Wiener Cottage Viertel. Der Wohn/Essbereich ist mit einer großen Glasfassade ausgestattet und taucht den Familienmittelpunkt tagsüber in ein wunderschönes Licht. Man konnte schon erahnen, wie wunderbar es im Sommer aussehen würde, wenn die großen Türen zum Garten hin offen sind, wieder alles blüht und gedeiht und man den Vögeln beim Zwitschern zuhören kann. Mich faszinierte die Zeitlosigkeit der Einrichtung. Obwohl die Sanierung der Immobilie schon einige Jahre her ist, hat das Interior bis heute nichts an seiner Modernität verloren. Ein gekonnter Mix aus warmen Holz, Designklassikern und gezielt gesetzten Farbtupferl zeugen von viel Designgespür.

An einem sonnigen Tag, der sich schon beinahe nach Frühling anfühlte, besuchte ich die Foodbloggerin und plauderte mit ihr über die perfekte Küche und ihre farbenfrohen Outfits. Denn anders, als man vielleicht meinen würde, ist ihr Zuhause eher gedeckt und zurückhaltend, dafür aber herzlich und freundlich – wie Alexandra selbst.

“Es war ein Spätsommertag, der verwilderte Garten war in ein goldiges Licht getaucht. Da war es um uns geschehen. Hier wollte ich gerne meine Kinder groß werden sehen. “

Zu Besuch bei Alexandra Palla © Wiener Wohnsinn

Liebe Alexandra dein Spezialgebiet ist die Kulinarik. Unter deinem Label Palla Vienna hast du Bereits ein Holzschneidebrett, Kochbücher und eine Modelinie, „Kitchen Kouture“ entworfen. Woher nimmst du die Inspiration für deine Projekte und gibt es noch ein Herzensprojekt das du gerne umsetzen möchtest ?

Liebe Melanie! Wie schön, dass du mit deinen Leser:innen bei mir zu Hause bist, kommt herein und fühlt euch wohl. Wie ihr seht, ist hier viel Platz für eine große Familie. Angefangen hat hier alles, als meine Töchter Johanna (heute 25) und Josefine (heute 18) noch kleiner waren. Da hab ich – sicher wie so viele Mamis und Papis – sehr viel gekocht, mir ihre Stories angehört und mir gedacht, das muss ich doch alles aufschreiben! Die vielen kleinen Abenteuer aus dem bunten Alltag und die Rezepte dazu, an deren Geschmack sie sich später besser erinnern sollen. Daraus wurde ein Blog, dann das erste Kochbuch, noch eines aus der Sommerfrische, ein paar praktische Gebrauchsgegenstände für die Küche und für die Fernsehauftritte wollte ich ein wiedererkennbares Kleidungsstück für mich. Da hatte ich gerade ein schönes Geschirrtuch in der Hand!

Du bewohnst mit deiner Familie eine wunderschöne Jugendstil-Villa mitten im Cottage-Viertel. Möchtest du uns die Geschichte zu diesem Haus erzählen?

Als ich das Haus das erste Mal entdeckte war ich hochschwanger. Es war ein Spätsommertag, der verwilderte Garten war in ein goldiges Licht getaucht. Da war es um uns geschehen, hier wollte ich gerne meine Kinder groß werden sehen. Es wurde von einem Loos Schüler in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts gebaut, viele Elemente waren aus der Zeit der Klassischen Moderne erhalten, sonst waren da nur wilde Geschichte von Bewohnern, die vom Dach auf Dosen in den Garten schossen. Die Kombi hat mich fasziniert!

Das Haus verfügt über einen prachtvollen Garten mit Altbaumbestand. Welche Pflanzen findet man bei dir im Garten? Hast du einen Grünen Daumen?

Bei mir gibt es viele Hortensien, Gräser, Iris und auch andere Lilien. Durch sie führt ein Holzsteg zu einem Sitzplatz unter einem alten Zwetschgenbaum. Von einer Englandreise hab ich eine kleine weiße Kletterrose mitgebracht und sie an den Stamm des Baumes gesetzt. Jahre hat sich nix getan, dann plötzlich ist die Rose zu einem prächtigen Schirm gewachsen. Nun feiert jedes Jahr im Juni der alten Zwetschgenbaum Hochzeit. Ich sitze darunter und höre den Bienen beim Summen zu.

Zu Besuch bei Alexandra Palla , Foodbloggerin aus Wien © Wiener Wohnsinn

Das Haus war renovierungsbedürftig als ihr es gekauft habt. Habt ihr es selbst oder in Zusammenarbeit mit einem Architekten saniert, was war dir bei der Gestaltung eures Zuhause wichtig?

Ich hatte sehr konkrete Vorstellungen beim Umbau. Alle originalen Elemente sollten erhalten bleiben, das Neue ganz im Sinne der Klassischen Moderne, also geradlinig erweitert werden. Licht war auch ein großes Thema. Das finstere, fast fensterlose Erdgeschoss sollte sich weit in den Garten öffnen. Das hat unser Architekt Georg Driendl perfekt umgesetzt.

Du kochst gerne und mit viel Leidenschaft, was war dir bei der Küchenplanung wichtig? Gibt es Dinge die du heute anders planen würdest?

Ich wollte beim Kochen gerne ins Freie sehen und ein großes Pult, um das man sich im Stehen gut versammeln kann. Zum Diskutieren, Cafetrinken, als Buffet und Ablage zugleich. Die Küche hab ich nie als einen großen Technik Raum gesehen mit Status Elementen zum Eindruck schinden. Sie ist finde ich eher schlicht, hält sich als Wohnküche im Hintergrund. O.k. ich gebe zu, es gibt auch eine Speisekammer für Vorräte und Töpfe. Ich würde die Küche wieder so anlegen.

“Ich würde die Küche wieder so anlegen.”

Zu Besuch bei Alexandra Palla   - offene Wohnküche © Wiener Wohnsinn

Hast du neben deiner geliebten Küche einen absoluten Lieblingsplatz bei dir zu Hause und was macht ihn aus?

Ich habe die Küche zu meinem Lieblingsplatz gemacht! Sie ist eine offene Wohnküche mit einem großen Tisch, da sitz ich am Liebsten, wie jetzt gerade auch, mit dem Rücken zur Wand und Blick in den Garten. Da sitz ich jetzt gerade und schaue einem Grünspecht zu, wie er in der Wiese pickt.

Du trägst gerne bunte Outfits, und deine Gerichte sind farbenfroh . Welche Rolle spielt Farbe in deinen vier Wänden?

Eine sehr große, auch wenn es bei mir daheim nicht immer so bunt ist. Mit Farbe lässt sich ein Raum ganz schnell verändern. Ich kauf oft spontan Wandfarbe und streiche selber drauflos. Meine Töchter sind schon richtige Profis und helfen mit. Die Wand hinter mir ist seit ein paar Monaten dunkelblau. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich sie bald wieder streiche. Ja, und im Office steht gerade ein roter Farbtopf, der ist nächste Woche dran!

offener Wohn-Essbereich mit blauer Wand und ein Mix aus Stühlen wie Thonet und Wishbone Chair © Wiener Wohnsinn

Du hast 2011 den Food Blog Roughcutblog gegründet. Der Blog war ursprünglich als digitale Rezeptsammlung an Lieblingsgerichten der Familie und des Freundeskreis gedacht. Es folgte einige Jahre später die Gründung des Austrian Food Blog Award. Wie hat sich das Bloggen über die Jahre verändert und welche Food Trends werden uns 2022 begleiten?

Instagram hat alles verändert. Aus vielen engagierten Blogger:innen wurden Influencer. Da sind die Postings viel schneller draußen und du hast sofort Interaktion. Das verführt, denn zu bedenken ist, dass die Inhalte in den Sozialen Medien nicht dir gehören. Trends kommen und gehen, wichtiger ist es, seine ganz persönliche Handschrift zu finden und diese zu schärfen, das gebe ich auch als Mentorin und Vortragende gerne weiter.

Gibt es ein Möbelstück, Accessoire oder Objekt, das dir in eurem Haus ganz besonders am Herzen liegen?

Der alte Notenschrank meiner Urgroßmutter. Sie war Pianistin, ist 1886 in Triest geboren und wurde 104 Jahre alt. Der Notenschrank hat sie Zeit ihres Lebens begleitet und ist als Erbstück nun bei mir gelandet. Er ist jetzt mein Gläserschrank mit besonderer Note.

“Perfekt ist es für mich dann, wenn es nicht perfekt ist!”

Alter Gläserschrank von der Großmutter - Erbstück Antiquität von Alexandra Palla

„Rough & Cut“ leitet sich von deinem sehr lockeren Kochstil ab. Bei dir wird das Gemüse lieber grob als fein geschnitten und vieles entsteht bei dir in der Küche spontan. Wie würdest du deinen Einrichtungsstil beschreiben?

Ich denke mein „rough cut“ Motto zieht sich auch bei der Einrichtung durch. So gerne ich Geschichten und Rezepte sammle, bei Einrichtungsgegenständen ist das nicht so. Da bin ich mehr die Puristin, kein Schnick-Schnack, nicht so viel Deko, klare Formen & Farben und wenige Zutaten.

Kartell, Vitra oder Fermliving? Für welche Marke schlägt dein Interiorherz?

Eindeutig Vitra. Sie produzieren noch heute die Entwürfe von Charles und Ray Eames. Den Eames Chair hab ich meinem Mann zum runden Geburtstag geschenkt, die berühmten Schalensitze „Shell Chairs“ stehen hier um den Tisch herum. Das Aufbewahrungs-Board „Utensilo“ hängt bei mir im Office und unter dem Schreibtisch steht ein Ad-Hoc Trolley, alles aus dem Hause Vitra.

“Mit Farbe lässt sich ein Raum ganz schnell verändern.”

Eames Lounge Chair - Designklassiker mit Geschichte © Wiener Wohnsinn
Wohnzimmer von Alexandra Palla © Wiener Wohnsinn
Zu Besuch bei Alexandra Palla

“Mein Herz schlägt eindeutig für Vitra.”

Sonntag 12 Uhr findet man dich….?

Unter der Dusche! Das ist die Zeit, da komm ich von meinem Sonntags-Lauf zurück, danach gibt es immer ein langes ausgedehntes Frühstück.

Gibt es ein Zitat oder Lebensmotto, das dich inspiriert und motiviert?

Am ehesten ist es der Spruch aus meiner Teenagerzeit „G ́scheit sein beim blöd sein“. Er hat mich schon vor so mancher Dummheit bewahrt, ohne dabei eine Spaßverderberin zu sein.

Du bist erfolgreiche Geschäftsfrau und auch Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Töchtern. Wie unterstützt man seine Kinder am besten Ihren Stil zu finden?

Den Kindern die Möglichkeit zu geben, ihren eigenen Stil zu entwickeln und ihre Persönlichkeit selbst auszudrücken. Wir sind als Eltern natürlich Vorbild, beeinflussen die Kinder auf unsere Weise, aber wer will schon Mini-Me ́s? Mütter und Töchter, Väter und Söhne, die im gleichen Look auftreten finde ich langweilig, da ist doch etwas schiefgegangen. Entweder die Eltern, die in den Kindern ihre Wiedergeburt sehen und nicht loslassen können oder die Kinder, die sich nicht emanzipieren können. Eine kritische Distanz ist der Weg zum eigenen Stil.

Alexandra im Interview mit Melanie Kuglitsch - Wiener Wohnsinnige Homestory

Du hast gerne Gäste bei euch zuhause, wie sieht bei dir eine perfekte Tischdekoration à la Alexandra Palla aus?

Perfekt ist es für mich dann, wenn es nicht perfekt ist ;). Über den großen Holztisch werfe ich Leinentischtücher, decke mit weißen Wirtshaustellern und naturfarbiger Keramik, dazu Leinenservietten und schöne zarte Trinkgläser (ich mag die Serie von Mark/Thomas sehr gerne). Dazu kommt ein altes Besteck von meiner Großmutter, dass sie für mich über viele Jahre gesammelt hat. Jetzt ist es komplett!

Ostern steht vor der Tür. Was gibt es bei euch traditionell zum Osterbrunch? Habt ihr als Familie gewisse Traditionen zu Ostern?

Ostern ist immer ein großes Fest bei uns. Das war schon immer so. Ich stamme mütterlicherseits aus der Schinkenmacher Familie Thum. Zum Brunch gibt es immer einen Osterschinken, der wird in einen Spanner gesteckt und ganz dünn mit der Hand aufgeschnitten. Die Technik, dieses lange Schinkenmesser horizontal durch den Schinken zu führen, hauchdünn habe ich mir gut abgeschaut. Dazu gibt es eine Schnittlauchsauce, frisches Schwarzbrot, hart gekochte Eier und natürlich selbst gebackene Osterpinzen. Ich gebe immer etwas Anis und Weisswein in den Teig, so schmecken sie mir am Besten.

Zu Besuch bei Alexandra Palla © Wiener Wohnsinn

Zu deinen Lieblingsorten im 18. Bezirk gehört der Kutschkermarkt, wo man dich Samstags antrifft. Hast du Tipps für einen Marktbesuch, wo sollte man unbedingt hinschauen?

Jeden Samstag wird der Kutschkermarkt um einen Bauernmarkt erweitert, er ist dann doppelt so lang. Ich gehe jeden Samstag hin. Das Gemüse hol ich bei der Bioschanze, Blumen bei Blatt & Knolle, trinken einen Marktcafe bei der Cafebrennerei Franze und hole mir bei Pöhl & Mayr Schinken, Käse und Brot. Ein tolles Fleisch gibt es bei Tanis, Schwein und Geflügel beim kleinen Bioladen „Der Bauer“. Fisch hat der Atlantis- Stand. Die Stimmung ist immer einzigartig, es sind auch immer wieder Straßenmusiker da, an den sonnigen Ecken wird getratscht, man im Cafe Himmelblau oder beim Käsestand Pöhl & Mayr gut brunchen. Ich empfehle eine Eierspeise und Schnittlauchbrot dazu.

Wo geht Alexandra Palla gerne Abseits vom Kutschkermarkt einkaufen oder Essen in Wien?

Wien ist so eine schöne kulinarische Stadt mit vielen TOP Adressen. Unlängst war ich im neuen Hofladen der Meinklang Farm, die haben Speck, selbst gebackenes Brot und super Weine. Ihr trefft mich auch oft bei Lingenhel im Dritten, es ist ein echtes Käseparadies. Essen geh ich sehr gerne in Wein-Bistros wie ALMA, o boufes oder MAST und in Wiener Beisln. Da schlägt mein „goldenes Wienerherz“ gleich höher. Ins Rebhuhn, Gasthaus Wolf oder das Börsl in der Nähe vom Vorgartenmarkt.

Zu Besuch bei Alexandra Palla

Ich freue mich sehr, dass wir heute zu Besuch bei Alexandra Palla waren. Nicht nur die wunderbaren Markt-und Lokaltipps sind eine echte Bereicherung sondern auch ihre Einstellung zum Wohnen und dem Leben überhaupt hat mich wahnsinnig inspiriert. Das ist neben dem Blick durch das Schlüsselloch in das Zuhause anderer Menschen wohl am schönsten – die Menschen dahinter zu treffen und von ihnen zu lernen.

Mehr Wiener Wohnsinnige findet ihr wie immer hier.

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