6. 12. 2020

{home tour} Ein Loft im Industrial Style

Als sich Max bei mir meldete und mir von seiner Wohnung Fotos mitschickte, war ich sofort Feuer und Flamme. Ein Loft im Industrial Style würde man eher in NYC vermuten als in der Hauptstadt Österreichs. Die schicke Wohnung befindet sich jedoch unweit vom Schloss Schönbrunn und war früher die Schuhfabrik von Kaiserin Sisi. Ja, richtig gelesen! Genau in diesem Gebäude wurden die Schuhe unserer Kaiserin gefertigt.

Max, der ursprünglich aus Deutschland kommt und beruflich als Hotelprojektentwickler in Wien gelandet ist, hat sich gemeinsam mit seiner Frau einen Wohntraum geschaffen. Der Industrial Style zieht sich durch die Wohnung wie ein roter Faden, angefangen von den Kipplichtschaltern, über den freigelegten Stahlträgern bis hin zu Industrielampen in Schwarz. Trotzdem büßt die Wohnung dadurch nichts an Gemütlichkeit ein, ganz im Gegenteil, die freigelegte Ziegelwand und der warme Holzboden verleihen dem Loft einen überaus einladenden Flair. Bei meinem Besuch hab ich mit Max ein ganz interessantes Gespräch über den Loftumbau sowie Themen wie Privatsphäre und eine verlängerte Bauphase geplaudert.

Ich freu mich sehr, euch heute diese besondere Homestory zu zeigen und bin mir sicher, dass ihr sie genauso toll finden werdet wie ich.

Ein Loft im Industrial Style - Wiener Wohnsinnige Homestory

Lieber Max, vielen lieben Dank , dass du uns heute ein paar Einblicke in euer tolles Loft gewährst. Erzähl mal, wie groß ist denn euer Zuhause und mit wem teilst du es dir denn?

Hallo Melanie, danke. Schön das du dir die Zeit genommen hast, um dir unsere Wohnung anzusehen und natürlich für das nette Kennenlernen. Die Wohnung verteilt sich auf knapp 98m² Grundfläche. Zusätzlich haben wir einen kleinen Balkon in L Form, den man entweder vom Wohnzimmer oder dem Gästezimmer erreicht mit ca. 10m². Ich wohne hier zusammen mit meiner Frau Gilla nun seit April 2018.

Ein Loft im Industrial Style - Wiener Wohnsinnige Homestory

Der Look erinnert mich ein wenig an den Loft Style aus New York City. Woher kam die Inspiration für diesen Einrichtungsstil?

Ja das ist richtig, bei den hohen Decken und offenen Ziegelwänden kommt einem schnell der Gedanke an die Bilder von den tollen Wohnungen in New York, die man vielleicht häufig im Fernsehen oder Zeitschriften sieht. Aber das war tatsächlich gar nicht unser Vorbild, es ist eher zufällig in diese Richtung gegangen.
Grundlegend waren wir auf der Suche nach einer Wohnung, die Charakter hat und auch in 10 oder 20 Jahren noch modern wirkt bzw. nicht aus der Mode kommt. Zudem mögen wir den Industriestil gerne und so kam eines zum anderen.
Den Hang für Beton habe ich ja schon länger, daher findet man überall in der Wohnung kleine Details. Sei es die Schale im Bad oder die Wohnzimmertische. Das fügt sich ganz gut zusammen mit dem Rest der Wohnung. Auffallend sind vielleicht die Lampen; In der Küche, Esstisch, Gästezimmer, Bad, WC und Balkon haben wir Leuchten von der Manufaktur Bolichwerke aus Östringen verbaut. Ich liebe diese Lampen, weil sie einfach zeitlos und wunderschön sind, bedenkt man das das Design oftmals schon mehrere Jahrzehnte alt ist und immer noch modern. Die restlichen Möbel könnten sicherlich auch in einer anderen Wohnung stehen, hier schauen wir einfach was und gefällt und lassen uns oft auf Pinterest inspirieren.
Die Esstischstühle von Studio Copenhagen findet man im Katalog beispielsweise selten in so einer Umgebung.

So eine offene Raumgestaltung muss man wollen.

Ein Loft im Industrial Style © Wiener Wohnsinn

Wie lange hat der Umbau gedauert und was war im Nachhinein gesehen das mühsamste und anstrengendste an der Sanierung?

Bauzeiten sind ja immer so eine Sache für sich. Anfangs sind wir von gut 3 Monaten ausgegangen, da die Wohnung ja bereits Größtenteils entkernt war. Jedoch haben die Arbeiten im Oktober begonnen und draußen wurde es immer kälter, da der Winter näher rückte, was sich nachher als sehr schwierig herausstellte. Das mühsamste war mit Abstand der Estrichboden. Wir hatten gehofft, dass dieser noch vor Weihnachten gegossen wird, da über die Feiertage ja bekanntlich nicht gearbeitet wird, hätte er in dieser Zeit prima austrocknen können. Doch das ging sich leider nicht aus und die Arbeiten gingen erst Mitte Januar weiter. Auf Grund der niedrigen Temperaturen hat es sehr viel länger gedauert bis der Estrich getrocknet war. Auch 3 zusätzliche Baustellen Trockner haben nur bedingt geholfen. Letztlich hat dies unseren Zeitplan komplett gesprengt und wir hatten bereits unsere alte Wohnung gekündigt. Ich habe zu dieser Zeit noch in Deutschland gearbeitet und die Arbeiten meistens via Telefon oder Mail koordiniert, nicht ganz ohne aber das war ok.
Für Gilla war das schon schwieriger, sie musste einen Monat bei einer Freundin auf der Couch schlafen und das Wohnungsinventar hat in der unsanierten Wohnung hier nebenan übernachtet. Heute lachen wir darüber, weil sich das Warten gelohnt hat. Aber ein paar Jahre haben wir sicherlich verloren in der Zeit.

Home Tour bei Max Murmann von Mamu Beton

Du hast mir ja ein paar Vorher Bilder gesendet um zu verdeutlichen wie die Baustelle ausgesehen hat. Ich finde das immer so faszinierend zu sehen, was aus so einem tristen Betonloch entstehen kann. Wie seid ihr bei der Planung und Umsetzung vorgegangen?

Ja das stimmt. Wenn ich mir jetzt die Fotos ansehe, denke ich mir auch oft, was uns da wohl getrieben hat, so etwas zu kaufen. Wie schon gesagt, haben wir ja bewusst nach einer Wohnung mit Charakter gesucht. Dieses Gebäude ist die ehemalige Schuhfabrik von Sissi gewesen, wo tatsächlich ihre Schuhe gefertigt wurden. Das Haus hat also von sich her schon eine lange Geschichte. Ich denke man sollte Respekt davor haben und so wollten wir die Seele des Hauses beibehalten. Eine hochmoderne, minimalistische weiße Wohnung wäre nach unserer Philosophie vielleicht nicht der richtige Ansatz. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Jede Wohnung hier wird individuelle geplant und gebaut und so muss jeder für sich entscheiden, wie er sich wohl fühlt in seinen vier Wänden.
Aus diesem Grund haben wir möglichst viele Ziegelwände frei gelegt und aufarbeiten lassen. Die großen massiven Stahlträger sollten ebenfalls sichtbar bleiben und wir haben sie zusätzlich anthrazit streichen lassen um sie hervorzuheben. Um die Wohnung nicht nur optisch größer wirken zu lassen, sondern auch um einen Bezug zu den Trägern herzustellen, haben wir zwei Wände als Stahl/Glas Konstruktion ausgeführt. Die gewölbte Decke wollten wir ebenfalls offenlassen und keine klassische gerade Abhangdecke. Im Keller habe ich gesehen, dass hier ursprünglich Röhrenheizungen verbaut wurden. Das haben wir aufgegriffen und daher bewusst keine Fußbodenheizung verlegt. Im Gegenteil, bei uns ist es zu einem Designelement geworden, weil sie so groß ausgefallen sind. Um die Heizlast zu erreichen auf Grund der hohen Decken sind sie gut 2,40m hoch. Gilla kommt nicht einmal an den Regler 😉 Daher haben wir uns für ein Thermostat von Nest entschieden, welches automatisch die Temperatur regelt und erkennt ob wir zu Hause sind oder nicht.
Weitere Verbindungen zum Haus sind die Porzellan Steckdosen und Schalter von Katy Paty aus Prag, eben so, wie man es früher hatte. Aber trotz aller Sympathie zur Geschichte ist die Wohnung mit Technik ausgestattet, so laufen alle Lampen über HUE Birnen sind via Handy steuer- und dimmbar. Das Soundsystem basiert ebenfalls auf einem drahtlosen Netzwerk und kann via App gesteuert werden. Das ganze Technikequipment haben wir in einer extra eingezogenen Zwischendecke im WC versteckt.
Das letzte offensichtliche Detail sind die Fliesen in der Dusche. Es ist das gleiche Muster, was auch in den Fluren im Gebäude verlegt ist.
Ich könnte noch lange weiter referieren, aber das würde jetzt evtl. den Rahmen sprengen. Wir haben uns auf jeden Fall ein paar Gedanken im Vorhinein gemacht.

Wenn ich mir jetzt Fotos ansehe, denke ich mir oft, was uns da wohl getrieben hat sowas zu kaufen.

Würdest du jetzt mit deinem heutigen Wissen was anders machen als vor der Sanierung?

Im Grunde gar nicht so viel, wir sind mit dem Ergebnis eigentlich sehr zufrieden. Im Wohnzimmer haben wir eine Ecke, wo wir keine Steckdose haben. Leider ist uns im Nachhinein erst aufgefallen, dass das ein perfekter Platz für den Weihnachtsbaum im Winter oder Ventilator im Sommer wäre, aber ohne Strom wird´s schwierig. Hätte ich noch einmal die Möglichkeit würde ich einen Wasseranschluss auf den Balkon legen, sodass man zum Blumengießen nicht immer rein und raus muss zum Wasser holen. Das haben wir nun mit einer 12L Gießkanne gelöst. Das war´s aber auch schon.

Max Murmann von Mamu Beton in seiner Loftwohnung in Wien

Beim Blick durch die offene Wohnung und die verglasten Raumtrenner stellt sich natürlich die Frage , wie ist das mit der Privatsphäre und dem Rückzugsort.

Eine Gute Frage. Sicherlich muss man eine solche offene Raumgestaltung wollen. Es ist bestimmt nicht jedermanns Sache, wenn man nicht die Tür hinter sich schließen kann und für sich ist.
In unserem Fall haben wir große schall- & lichtisolierende Vorhänge die wir zuziehen können und somit den Raum schließen können.
Es ist also möglich eine Privatsphäre aufzubauen, nur halt anders. Wir mögen diese Lösung und haben bis dato von unseren Gästen auch nur gutes Feedback erhalten.

Ein Loft im Industrial Style © Wiener Wohnsinn

Du hast ja beruflich viel mit Interior Design zu tun. Fließt viel davon in deine privaten Entscheidungen ein, wenn es ums Einrichten und Dekorieren geht?

Für Interior Design benötigt man unter anderem eine gute Vorstellungskraft für das was mal entstehen kann, ich glaube das war der größte Vorteil, den ich aus der Arbeit ziehen konnte. Ich kann mich erinnern, dass ich die Axor Montreux Armaturen im SOHO-House Berlin gesehen habe, als wir dort eine Besichtigung hatten. Die sind es am Ende auch geworden. Das die Wahl bei den Vorhängen auf dicken Filz gefallen ist hat ebenfalls etwas mit der Arbeit zu tun, da habe ich mir etwas Hilfe geholt. Beim Thema Deko halten wir es eher schlicht. Sideboards, Bücherregale oder sonstiges sucht man bei uns vergebens, es gibt wenig Abstellfläche und somit auch nicht so viel Platz zum Dekorieren. Wir lassen die Wohnung an sich wirken.

Beton ist wirklich ein mega Baustoff.

Ein Loft im Industrial Style - Wiener Wohnsinnige Homestory

Da stellt sich auch gleich die Frage, wer von euch beiden Zuhause bei Möbel & Deko die Hosen an?

Jetzt muss ich etwas aufpassen was ich sage. Meine Frau hat einen tollen Geschmack und auch viel Begeisterung für Innenarchitektur und Interior Design. Ich denke ich setze mich ein wenig mehr mit dem Thema auseinander und kann stundenlang das Internet durchgraben, nach dem passenden Möbelstück, Accessoire oder sonstiges. Vielleicht weil ich dafür ein wenig mehr Geduld habe. Die Entscheidung was es am Ende wird, treffen wir allerdings immer gemeinsam. Das ist manchmal auch ein etwas längerer Prozess, Hosen haben wir also beide im Schrank.

Neben deinem forderten Hauptjob hast du dir ja mit Beton Design ein zweites Standbein aufgebaut. Erzähl mal kurz worum es da geht? (nicht zu lange und zu ausführlich , denn wir machen ja einen eigenen Beitrag darüber ;)

Angefangen hat es bei unserer Küche. Diese sollte nicht auf den ersten Blick wie Eine aussehen. Also keine klassische Rückwand mit Arbeitsfläche und Hochschränken. Schluss endlich haben wir uns für zwei Schränke mit Taschentüren entschieden. Im geschlossenen Zustand sehen sie eher wie Kleiderschränke aus. Dazwischen mit ein wenig Abstand das Spülbecken. So wirkt alles leicht und luftig.
Wichtig war uns eine freistehende Kücheninsel, aber auch das sollte kein massiver Block werden. Nach ewigem suchen, haben wir so recht nichts Passendes gefunden. Also habe ich entschlossen es einfach selbst zu machen und habe die Insel selbst gegossen. Daran hatte ich so viel Spaß, dass ich mich immer weiter mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Nach und nach wuchs dann der Wunsch diesen Spaß in einen gewerblichen Rahmen zu spannen. Mittlerweise produziere ich handgemachte Designelemente aus eingefärbten Beton und gründe mein eigenes Label MAMU. Beton ist einfach ein mega Werkstoff.

Mamu Beton - Eierbecher aus Beton von max Murmann

Wo kauft ihr am liebsten Möbel & Accessoires ein?

Wir mögen kleine Concept Stores und Manufakturen. Dort findet man immer die tollsten Sachen. Ich gehe gerne durch die Neubaugasse und dann führt kein Weg am Copenhagen Hus vorbei. Der Indigo Express auf der linken Wienzeile hat auch immer spannende Sachen oder aber Volta in der Siebensterngasse ist auch sehr cool. Online schaue ich gerne bei Bolia vorbei. Für Blumen oder Gestecke hat die Zweigstelle immer die passende Idee.
Ansonsten suche ich aber eher speziell für das was ich mir gerade vorstelle. Wie eben schon erwähnt bei Bolich, Katy Paty und so weiter. Da ich ja ursprünglich aus Münster komme, ist es nicht weit bis zu den Niederlanden. Die haben auch einen tollen Geschmack für Interior Design, es muss also nicht immer der Blick nach Skandinavien sein. Auch wenn ich Stockholm liebe.

Badezimmer im Industrial Stil - Loftwohnung in Wien

Du kommst ja ursprünglich aus Deutschland und hast Wien zu deiner Wahlheimat gemacht. Spiel mal kurz den Local Guide für uns : Was darf man in Wien auf gar keinem Fall verpassen?

Da wir ja nicht weit weg sind vom Schloss Schönbrunn muss ich einfach auf den Park kommen. Sicher ist es auch ein Touristenmagnet, aber es ist dort einfach zu jeder Jahreszeit schön. Gerade jetzt im Herbst.
Im Sommer auf jeden Fall ein Besuch beim Heurigen, in welcher anderen Stadt hat man ansonsten die Weingüter vor der Haustür?
Wenn wir Freunde zu Besuch haben und sie gerne Schmarrn essen möchten geht es in das Park Hyatt. Olli macht einfach den Besten 😊
Wien ist nicht umsonst die lebenswerteste Stadt der Welt, hier ist immer was los wenn nicht gerade Corona ist. Man sollte die Stadt auf sich wirken lassen, ob beim Schlendern durch den Ersten, entdecken im 7. oder sich die Nächte um die Ohren schlagen in der lebendigen Bar Szene. Da fällt mir spontan die Tür 7 ein, die findet man alleine eher weniger.

Vielen Dank für die gute Zeit. Danke, dass du da warst.

Max Murmann - Mamu Beton Gründer

Was für ein tolles , informatives Interview, nicht wahr? Ich freu mich riesig euch dieses Schmuckstück von Wohnung aka ein Loft im Industrial Style zeigen zu dürfen. Falls ihr nun Lust auf weitere Homestories und spannende Interviews sehen möchtet, hier findet ihr alle wohnsinnigen Geschichten auf einem Blick.

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