14. 1. 2021

{interior} Wohnen wir noch individuell?

Heute geht es um Gedanken, die mich schon sehr lange beschäftigen, aber bis jetzt keinen Weg  aufs Papier gefunden haben.
Es geht um ein sensibles Thema. Eines, bei dem ich mich vielleicht ein wenig weit aus dem Fenster lehne, anecke, ja sogar polarisiere. Wohnen wir noch individuell?

Seit geraumer Zeit beobachte ich Instagram und die Inspirationen, die man dadurch bekommt. Ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber ich habe das Gefühl, dass alles mehr und mehr zu einem Einheitsbrei wird.
Natürlich, es gibt Strömungen, in der Mode als auch in der Wohnszene. Aber habt ihr nicht auch das Gefühl, dass es monoton wurde? Dass alles gleich aussieht?
Jeder zweite Account ist das Abziehbild von einem anderen Account. Der Algorithmus auf Instagram macht es einem auch nicht einfacher. Man bekommt nur Accounts vorgeschlagen, die dem eigenen Geschmack und den vergebenen Likes am ähnlichsten sind.

Wo ist die Farbe geblieben?

Es herrschen Nichtfarben und starke Kontraste geben den Ton an. Von Farbe weit und breit keine Spur zu sehen. Farbinspirationen sieht man maximal noch in den Wohnmagazinen, aber nicht mehr in privaten Wohnbereichen. Die farbigen Accessoires, bunte Möbel und Wände mussten nach und nach den dezenten Nichtfarben wie Beige, Creme, Weiß, Grau und Schwarz Platz machen. 

Wohnen ist ein sehr individuelles und persönliches Thema, ich möchte fast sagen, ein sensibles Thema. Wenn das eigene Zuhause kritisiert wird, wird man eigentlich persönlich kritisiert. Man nimmt es automatisch irgendwie auch persönlich – verständlich. Denn sind die eigene 4-Wände nicht  auch ein Ausdruck von einem selbst?!
Aber ich frage mich, ist es das wirklich noch? Oder stecken wir schon knietief in einem Einheitsbrei, aus dem wir nicht mehr so einfach rauskommen.

Hat Instagram uns zu Farbmuffel gemacht ?

Ich möchte mich da gar nicht ausnehmen. Auch ich lasse mich von Trends hinreisen. Auch ich sehe Objekte der Begierde auf diversen Accounts, die ich mir dann kaufe. Auch ich trau mich nicht eine nicht so moderne Farbe oder zu knallige zu kaufen oder geschweige denn sie an Wänden zu streichen, weil ich nicht aus der Reihe fallen möchte.

Aber ist es das, was glücklich macht? Mit der Masse zu schwimmen? Eine Kopie von jemandem anderen zu sein? Oder sollte man beim Wohnen nicht auf sein Herz (und seinen eigenen Geschmack) hören und nicht auf den Feed seines Instagram Accounts? Überlegt man selbst? Wieviel Farbe seht ihr, wenn ihr die Bilder in eurem Feed an Abonnements durchscrollt.

Ich habe es immer geliebt Wände zu streichen, mit Farben zu experimentieren. Helles Blau oder Dunkelgrün im Wohnzimmer, dunkles Blau im Schlafzimmer, ein Arbeitszimmer in Korallrot, ein Esszimmer in Rotbraun. Farben sind aber immer mehr in den Hintergrund gerückt, denn je mehr man das zeigte, was andere auch zeigten, umso beliebter wurden die Beiträge. Zufall? Vielleicht – vielleicht aber auch nicht.

2021 wird das Jahr der Farben

Ich möchte das Jahr 2021 als Jahr der Farbe benennen und mehr davon in unser aller Leben bringen. Es gibt so tolle Farbtöne – abseits von Grau, Weiß, Schwarz und Beige, die eine Bühne verdient haben. 2021 werde ich jeden Monat einen anderen Farbton vorstellen und euch zeigen, wie bunt die Welt des Interiors ist. Es wird in jedem Artikel ein Moodboard geben mit meinen liebsten Produkten in diesem Ton. Inspirationen aus dem wahren Leben mit Wänden, die bunt sind und nicht Weiß. Und zu guter letzt wird es noch technische Tipps vom Farbenprofi geben, wie zum Beispiel: Worauf muss man beim Streichen achten? Für welche Räume ist die jeweilige Farbe geeignet? 

Draußen ist derzeit noch alles Grau in Grau und den Frühling kann man nur beim Blick in den Kalender erahnen. Aber die Aussichten sind gut – besser gesagt sind sie bunt. Denn endlich kommt Farben zurück. In unser Zuhause und natürlich auch bald wieder in der Natur.

Ich freue mich auf ein farbenfrohes Jahr mit euch !
Wohnsinnige Grüße,
Melanie

COMMENTS
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Liebe Melanie, was fuer ein toller Beitrag! Ich freu mich schon auf deine Farb-Artikel. Ehrlich gesagt, habe ich in der letzten Zeit mit meinem Zuhause gehadert. Es war mir irgendwie zu bunt, zu laut, zu wild. Mit einer 1-jaehrigen kann das ja leicht passieren :) Ich konnte es bisher nicht so in Worte fassen, aber dein Artikel hat mir die Augen geoeffnet. Ja, ich sehe zu viele, zu beige, zu cleane, zu aufgeraeumte auf Hochglanz polierte Wohnungen auf IG, dass sich eine unterschellige Unzufriedenheit zusammengebraut hat. Dabei liebe ich mein Zuhause und achte sehr darauf, dass sich wirklich nur Lieblingsstuecke ansammeln, die wir auch wirklich verwenden. Wie schoen deinem Blog und deiner Farbentwicklung zu folgen und immer neue Impulse zu bekommen. Alles Liebe und eine farbenfrohe Fruehlingswoche

Kommt immer ganz darauf an wo, man sich Wohnungsfotos anschaut. Jede Plattform auf der man sich ungefiltert durch alle neuen Fotos klicken kann, zeigt unterschiedliche Stile. Mir kommt sogar eher vor, dass es bunter wird (Blau und Gold; Braun mit Gold und Rosétönen; Pink mit Gelb und Blau und last but not least diverseste Grüntöne mit Weiß und Gold oder mit Schwarz kombiniert, kommen mir öfter mal unter und erfreuen sich Beliebtheit. Das einzige, das mich stört, ist dass zu viele Leute sich zu sehr beeinflussen lassen und glauben, dass gewisse Stücke sein müssen und das manches zu sehr arangiert wird. Im Endeffekt kommt es aber wirklich ganz auf den Ort an, an dem man sich durchklickt … Das Schöne ist ganz einfach die enorme Vielfalt. Wenn man dann auch noch englischsprachige Wohn-/Interiorblogs etc. durchschaut – merkt man dass zwar manches durchaus in gewisse Richtungen strebt aber eben nicht ausschließlich. Instagram verwende ich nicht und Facebook nur um Kontakte in die Ferne zu halten, beiden sind ihre Algorithmen gemein und machen sie immer uninteressanter für mich. Es wird immer wichtiger herauszufinden, wie man sucht und wie man seine eigene Blase vermeiden kann um auch über den eigenen Horizont zu blicken :-) Liebe Grüße Rita

Seh ich auch so. Die Wohnungen auf Instagram und auch in manchen Blogs sind oft nicht mehr unterscheidbar, man hat alles schon gesehen, das Auge bleibt an nichts mehr hängen, man scrollt durch und weiß genau, welcher Teppich, welche Bilder, welche Lampen, welche Kerzenständer man auf den kommenden Bildern sehen wird.
Das Pendel schlägt aber schon in die Gegenrichtung aus: In vielen Blogs aus Übersee findet man die Renaissance der Farben und Muster, inklusive Chintz und Volants. Es scheint, als blühe uns ein Wiedererstehen des Landhausstils, ein bisserl abgespeckt und gestreamlined.
Es ist gar nicht so einfach, sich dem Zeitgeist beim Einrichten zu entziehen, finde ich. Daher setz ich auf Klassiker und Antiquitäten, nicht nur was Möbel anbelangt, auch bei Mustern und Farben greif ich gern zu Altbewährtem und pepp das mit aktuellen Kleinigkeiten auf. Ich denk mir halt, Toile de Jouy, Streifen- und Rankenmuster gibts seit Hunderten von Jahren, so schnell wird das nicht obsolet, auch wenns grad nicht der letzte Schrei ist. Also vors Fenster damit! Und gottseidank haben meine Eltern einen riesigen Dachboden, wo frühere Generationen all das verräumt haben, wozu sie zu faul waren, es wegzuwerfen.
Und deshalb les ich auch so gern deinen Blog, weil ich hier immer wieder überrascht werd und es nicht so der Einheitsbrei ist! Freu mich auf viele neue Einträge!

Den selben Gedanken hab ich auch immer wieder und immer öfters. Viele Wohnungen sehen mittlerweile aus, wie ein Bus voller Rentner: grau, beige, braun, möglichst neutral. Die Zeit der Langeweile kommt bald genug, ich bin dafür noch zu jung und brauch Lebendigkeit und schräge Farbkombis.

[…] in meinem letzten Artikel bereits erwähnt, möchte ich dem Einheitsbrei, der sich in den letzten Monaten auf Instagram […]

Da freue ich mich schon auf Deine Beiträge. Eine schöne Idee. Lg Maren

Hallo Melanie
Ich finde auch, dass sich sehr viele Accounts gleichen und es nur noch darum geht, möglichst viele Gegenstände von momentan hippen Designern aneinanderzureihen. Von Individualität und Kreativität, meiner Meinung nach, keine Spur. Bei den Farben ist es ähnlich, alles in feinen Grau-oder Erdtönen. Aber war das nicht schon immer so? Ich erinnere mich noch gut an die Terracotta-Welle. Jeder der Interiortechnisch dabei sein wollte, strich mindestens eine Wand in diesem Orangeton. Auch ich habe, sowohl in der Mode, wie auch in meinem Heim schon so manchen Trend mitgemacht. Wie in der Mode, passen sich die meisten der Masse an und was man viel sieht gefällt einem auch irgendwann. Darum sind diese Accounts auch sehr erfolgreich. Sie vertreten die Masse. Und um ehrlich zu sein, ist nicht jeder als Interiordesigner geboren oder hat die Begabung, die Farben so zu wählen und zu kombinieren, dass die Einrichtung harmonisch wirkt. Trotzdem finde ich, wie du, dass uns mehr Individualität gut tun würde und die Kunst des schönen Einrichtens nicht darin besteht, jedem Trend zu folgen und Designerartikel aneinanderzureihen. Liebe Grüsse Nadia

Liebe Melanie,
Bin deiner Meinung, die Tendenzen sind einheitlich, daher ist es bei uns relativ bunt ….Wohnzimmer, Küche …..Kinderzimmer!
Wenn die Wandfarbe weiß ist sind die Vorhänge farbig und umgekehrt Damit habe ich relativ viel Gestaltungsfreiheit….
Liebe Grüße
Andrea

Persönlich mag ich beides. Farben liebe ich sowie schlichte monochrome Eleganz. Kann man auch gut kombinieren und stimmt es liegt an instagrams Algorithmus, dass wir nur das sehen was wir auch posten. Ich kann aber sagen, es gibt viele Accounts mit Farbe. Gib ein ‘colour’ oder ‘color interiors’ in der hashtag oder account Suche und man findet gaaaaaanz tolle Accounts. Eine wahre Farbexplosion. Mein Fazit: Sei mutig, sei kreativ aber vor allem sei Du selbst.

Super schwieriges Thema – umso cooler, dass du es ansprichst und auch mal aus einer anderen Perspektive beleuchtest.
Gehöre auch eher zum Einheitsbrei, farblich zumindest, weil ich daheim gern zur Ruhe komme. Farbe würde mich nervös machen, trag ich auch schon bei Klamotten wenig :D Freu mich aber schon auf deine Farbvorstellungen. Liebe Grüße Tammy

Stimmt das ist mir auch schon aufgefallen! Zum Glück habe ich mir grad ein blaues Bett gekauft und currygelbe Vorhänge bestellt! ???

Liebe Melanie, das ist mir auf Instagram auch aufgefallen und es gibt kaum noch Interiorbilder ohne die typische Frage „wo kommt dies oder das her“…Es ist nicht nur eintönig sondern der persönliche Touch fehlt oft komplett. Ich bin vielleicht altmodisch, aber ich gehe so gerne in Interiorläden (und freue mich, wenn sie irgendwann wieder geöffnet sind) und lasse mich dort inspirieren. Eine Kaufentscheidung dauert bei uns länger, weil wir uns immer gut überlegen, ob das zu uns bzw. zu unserem Haus passt. Man muss nicht jede Mode oder Hype mitmachen, um ein schönes Zuhause zu haben. Deshalb mag ich deine Reportagen so sehr. Liebe Grüße aus Berlin

Sehr schöner Beitrag! Ich sehe das ganz genauso und bin auch ein bisschen davon genervt: Egal ob Interior oder Mode – alles schwarz, beige, weiß. Derweil ist das Leben so bunt! Ich habe gemerkt, dass ich Farbe brauche, um glücklich zu sein. Im Moment suche ich gezielt nach Accounts, die diesen Mix aus bunt, alt und neu, billig und teuer genauso zelebrieren wie die anderen ihre fast schon schwarz-weiß Aufnahmen. Vielleicht wäre die ein oder andere Homestory in einem „bunten“ Heim mal was?
Liebe Grüße
Anna

Huhu? Ich bin froh nicht mehr mit Farben zu wohnen und damit rumzuexperimentieren. Vor einigen Jahren war mein Zuhause bunt, ich habe so viele Farben ausprobiert, mich schnell an einer sattgesehen und es musste eine neue Farbe her. Jede neue Farbe brachte aber jedesmal eine komplette Umgestaltung des Zimmers mit sich, neue Möbel oder wenigstens neue Kissenbezüge oder Vorhänge. Das hat mir zwar großen Spaß gemacht, aber dieser Spaß ging ordentlich ins Geld. An weißen Wänden, den Nichtfarben habe ich mich seit 5 Jahren nicht sattgesehen und ordentlich Geld gespart…Liebe Grüße Ela

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